Hallo zusammen ich habe vor 2 Jahren die Bücher der Königsmörder Chroniken gelesen und direkt sogar zweimal um alles nochmal zu verstehen was man vorher nicht wusste. Danach hatte ich mehrere Ideen und das ließ mich nicht los. Also schrieb ich mir Kleinigkeiten auf. Dann schrieb ich kleine Texte. Dann neue Ideen und plötzlich hatte ich ein Grundlegendes Konzept. Ich habe noch nie Bücher geschrieben und auch keine Geschichten. Aber meine Einfälle waren zu genial als es liegen zu lassen. Deshalb schrieb ich plötzlich Tag und Nacht. Ich musste kaum pausieren und tagsüber war ich oftmals in Gedanken in meiner Story. Jedenfalls ist das nun schon 2 Jahre her weil ich eine kleine Tochter bekam und da war diese Zeit zu Ende. Jetzt wollte ich euch mal fragen was ihr von den ersten Teilen haltet. Sozusagen ob ich mir die Mühe machen soll das noch weiter zu verfolgen. Deshalb würde ich euch gerne Stück für Stück euch zeigen was ich schrieb. Es ist sehr viel von Patrick rotfuss Welt darin verbaut. Deshalb hoffe ich das es jemanden gefällt. Naja lange Rede kurzer Sinn, hier Kapitel 0:
Donnergetöse zerriss die Stille der Nacht. Ein Gewitter lag schwer über der Stadt, als hätte sich der Himmel selbst zusammengezogen, und die Dunkelheit wurde immer wieder von grellen Blitzen zerschnitten, die die Welt für kurze Augenblicke in kaltes, fast unwirkliches Licht tauchten.
Der Regen hatte die Dächer längst durchweicht. Wasser lief in dünnen Rinnsalen zwischen den Ziegeln hindurch, tropfte von den Kanten der Häuser und sammelte sich in kleinen Pfützen, die im nächsten Blitzlicht silbern aufschimmerten. Der Wind strich unruhig durch die engen Gassen, trug den Geruch von nassem Holz, kaltem Rauch und fernen Kaminen mit sich.
Auf dem Dach eines alten Wirtshauses standen sich zwei Männer gegenüber.
Das Gebäude wirkte alt, seine Balken dunkel vom Alter und vom Wetter gezeichnet. Der Kamin ächzte leise im Wind, und irgendwo unter ihnen klapperte lose ein Fensterladen gegen die Hauswand. Die Stadt selbst schien den Atem anzuhalten.
Auf den umliegenden Dächern hockte eine ganze Horde Raben. Ihre dunklen Silhouetten verschmolzen beinahe mit der Nacht, nur ihre Augen blitzten gelegentlich im Licht der Blitze auf. Sie beobachteten das Geschehen reglos, als wüssten sie, dass etwas geschehen würde, das über gewöhnliche Dinge hinausging.
Einer der Männer war vollständig in Schwarz gekleidet und trug einen langen, schweren Pelzmantel. Der Stoff war vom Regen dunkel und glänzend, und die Kapuze lag tief über seinem Gesicht. Selbst im grellen Licht der Blitze war kaum mehr als eine undeutliche Gestalt zu erkennen, als würde das Licht ihn meiden.
Der andere Mann war bei jedem Aufflackern des Himmels klar zu sehen: mittleren Alters, mit angespannten Zügen und einem Blick, der nicht einen Augenblick ruhte. Seine Kleidung lag eng an, schwer vom Regen, und seine Stiefel standen fest auf den rutschigen Ziegeln. Über seiner Schulter hing eine große Umhängetasche, deren Leder vom Wasser dunkel geworden war. An seinem Gürtel glitzerten die Klingen kleiner Messer, und um seinen Hals trug er das Abzeichen eines Arkanisten des Arkanums, das bei jedem Blitz kurz aufleuchtete.
Er stand leicht seitlich zum Mann in Schwarz, eine Hand an seiner Tasche, als würde er sich jederzeit bereit machen, etwas daraus hervorzuholen. Sein Atem ging ruhig, aber seine Schultern waren angespannt.
Beide Männer schwiegen.
Zwischen ihnen lag mehr als nur Abstand. Die Luft selbst schien dichter zu sein, geladen von etwas Unsichtbarem. Sekunden vergingen, dann Minuten. Der Regen fiel weiter, der Wind zog über das Dach – doch keiner der beiden bewegte sich.
Und doch kämpften sie längst.
Ein lautloser Kampf, geführt auf einer Ebene, die sich den Augen entzog. Ihr Alla spannte sich zwischen ihnen wie ein unsichtbares Netz, tastete, drückte, suchte nach Schwächen.
Als das Licht eines Blitzes kurz erlosch, verschluckte die Dunkelheit für einen Atemzug alles.
Beim nächsten Aufflammen war der Mann in Schwarz verschwunden.
Nur der Regen blieb zurück.
Der Arkanist reagierte sofort. Seine Hand zuckte zu seinem Gürtel, drei Messer blitzten im nächsten Moment in seiner Hand auf. Er teilte sein Alla, ließ es wie feine Fäden an die Klingen gleiten und band es daran. Ein kaum hörbares Zittern ging durch die Luft, als die Verbindung entstand.
Er setzte sich in Bewegung, seine Schritte sicher trotz der Nässe, lehnte sich kurz gegen die Wand und schleuderte die Messer mit einer präzisen Bewegung in die Höhe.
Für einen Moment wirkten sie verloren in der Dunkelheit.
Dann begannen sie zu zittern.
Sie fanden ihr Ziel.
Ein Blitz zerriss den Himmel – und dort stand er.
Der Mann in Schwarz, ruhig auf dem Kamin, als wäre er nie verschwunden gewesen.
Kurz bevor die Messer ihn erreichten, hob er die Hand.
Die Luft schien sich zu verdichten.
Die Klingen erstarrten – und fielen im nächsten Augenblick kraftlos zu Boden, als hätten sie nie Gewicht gehabt.
Der Arkanist war bereits hinter ihm.
Sein Angriff kam schnell, präzise, tödlich gemeint – doch der Mann in Schwarz wich aus. Nicht hastig, nicht panisch. Seine Bewegung wirkte… falsch. Zu ruhig. Zu glatt. Als würde er nicht ganz den gleichen Regeln folgen wie alles andere.
Im selben Moment wurde der Arkanist erfasst.
Eine unsichtbare Kraft packte ihn, hob ihn mühelos vom Boden und schleuderte ihn quer über das Dach. Er prallte hart gegen die Steinwand, und für einen Moment hallte der Aufprall selbst im Donner nach.
Der Mann in Schwarz setzte sich in Bewegung.
Langsam.
Schritt für Schritt.
Der Regen rann über seine Gestalt, doch nichts schien an ihm haften zu bleiben.
Der Arkanist richtete sich auf, spürte den Schmerz in seinen Knochen, doch sein Blick blieb scharf. Er schlug wütend auf die nassen Ziegel, während Wasser unter seinen Fingern hervorspritzte, und sah zu seinem Gegner auf.
Für einen kurzen Moment wirkte es, als hätte er die Kontrolle – als würde er den Mann vor sich bereits durchschauen.
Er rollte sich zur Seite.
Ein Blitz schlug genau dort ein, wo er gelegen hatte. Der Stein zersprang, Funken und Splitter spritzten durch den Regen.
Der Arkanist sprang auf.
Der Ring an seinem Finger begann zu leuchten.
Ein kaltes, violettes Licht pulsierte darin, erst schwach, dann stärker, bis es sich wie ein lebendiger Schein um seine Hand legte. Seine Augen spiegelten dieses Licht wider, und in ihnen lag nun nichts mehr als kalte Entschlossenheit.
Er flüsterte Worte.
Alte Worte.
Die Luft reagierte.
Die Regentropfen hielten inne.
Für einen Moment hing die Welt still – als hätte jemand die Zeit selbst angehalten.
Dann begannen sich die Tropfen zu bewegen.
Langsam zuerst, dann schneller. Sie sammelten sich, verbanden sich, folgten seinem Willen. Wasser kroch über die Ziegel, löste sich aus den Pfützen, stieg auf – und strömte auf den Mann in Schwarz zu.
Es umschloss ihn.
Schicht für Schicht.
Bis sich eine Kugel bildete, glatt und geschlossen, in der er gefangen war.
Er begann zu schweben.
Der Arkanist hob die Hand weiter, spürte die Spannung seines Alla, hielt sie fest. Das Wasser drang nun auch in die Kapuze, suchte sich seinen Weg nach innen, gegen jeden natürlichen Widerstand.
Ein leises, kaltes Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
Die Raben wurden unruhig.
Erst ein einzelnes Krächzen. Dann mehrere. Schließlich erhob sich ein ganzer Schwarm, Flügel schlugen gegen den Regen, Federn wirbelten durch die Luft.
Sie stürzten sich auf ihn.
Krallen kratzten über seine Kleidung, Schnäbel hackten, Flügel versperrten ihm die Sicht. Der Arkanist fluchte, schlug nach ihnen, verlor für einen Moment die Kontrolle.
Die Kugel erzitterte.
Dann brach sie auseinander.
Wasser fiel zurück auf das Dach, spritzte über die Ziegel, lief in alle Richtungen davon.
Der Mann im schwarzen Umhang rang nach Luft.
Das Gewitter tobte weiter.
Und irgendwo über ihnen kreisten die Raben, laut, klagend, als würden sie etwas beklagen, das noch nicht geschehen war – oder längst geschehen ist.
Der Arkanist atmete schwer, während das Wasser in dünnen Rinnsalen über die Ziegel zurückfloss und in den Fugen verschwand. Seine Kleidung klebte an ihm, durchnässt vom Regen und von seiner eigenen Anstrengung. Die Luft roch nun stärker nach nassem Stein und etwas anderem – etwas Scharfem, das an verbrannte Energie erinnerte.
Über ihm kreisten die Raben, ihre Schreie durchzogen die Nacht wie Warnrufe.
Der Mann im schwarzen Umhang richtete sich langsam auf. Wasser tropfte von seinem Mantel, doch es wirkte, als würde es ihn nicht wirklich berühren. Unter der Kapuze begann erneut ein schwaches, unnatürliches Licht zu glimmen, kaum mehr als ein ferner Schimmer – und doch reichte es aus, um die Dunkelheit um ihn herum noch tiefer erscheinen zu lassen.
„Was willst du von mir?“, rief der Arkanist, seine Stimme rau vom Atem und vom Regen. „Du willst meinen Ring, oder? Er gehört mir! Gehörst du zu ihnen?“
Seine Worte wurden vom Donner verschluckt, der über die Dächer rollte.
Der Mann in Schwarz antwortete nicht sofort.
Er stand einfach da.
Still.
Dann, langsam, als käme die Stimme nicht ganz aus dieser Welt, erklang ein leises Flüstern:
„Giiiiiiib… ihn… mir…“
Die Worte schienen sich in der Luft zu halten, länger als sie sollten, als würden sie nicht verblassen wollen.
Der Arkanist erstarrte für einen Moment, bevor sich sein Blick verhärtete.
„Du bist also doch einer von den Anderen…“, sagte er leiser, fast mehr zu sich selbst. Dann hob er die Stimme:
„Du hast die Regeln gebrochen. Du darfst gar nicht hier sein!“
Seine Hand glitt in die Tasche, und er zog eine kleine, unscheinbare Ampulle hervor. Das Glas fing für einen kurzen Moment das Licht eines Blitzes ein und funkelte kalt.
Im selben Augenblick sammelte sich sein Alla erneut.
Es begann als kaum sichtbares Flimmern in der Luft, dann wurde es zu Hitze. Ein leises Knistern lag darin, wie das erste Aufflammen eines Feuers.
Und dann war es da.
Flammen brachen hervor, hell und gleißend, so heiß, dass selbst der Regen für einen Augenblick zu zischen schien, bevor er die Glut erreichte. Das Feuer schoss nach vorne, direkt auf den Mann in Schwarz zu, zog eine leuchtende Spur durch die Dunkelheit.
Doch kurz bevor es ihn traf, geschah etwas.
Das Feuer verlangsamte sich.
Nicht abrupt – sondern so, als würde es gegen einen unsichtbaren Widerstand ankämpfen. Die Flammen zogen sich zusammen, wurden schmaler, dichter, verloren ihre wilde Form.
Der Mann in Schwarz hatte kaum sichtbar den Kopf geneigt und murmelte etwas.
Ein Wort vielleicht. Oder weniger.
Das Feuer gehorchte.
Es krümmte sich, als würde es sich selbst vergessen, und wurde zu einem dünnen, gebündelten Strahl, der sich langsam zurückzog – hinein in die Ampulle.
Das Glas begann zu glühen.
Erst schwach, dann immer heller, bis es beinahe unerträglich wurde, hinzusehen.
Der Arkanist fing die Ampulle auf, spürte die Hitze durch das Glas dringen, als würde er ein Stück der Sonne selbst in der Hand halten. Ohne zu zögern schleuderte er sie über das Dach.
Für einen kurzen Moment verschwand sie im Regen.
Dann zerbarst sie.
Ein dumpfer Knall wurde vom Donner verschluckt, und im nächsten Augenblick brach das Feuer hervor. Flammen breiteten sich über die Ziegel aus, krochen über das Dach, fanden Ritzen und Holz, griffen gierig danach.
Trotz des Regens begann das Dach zu brennen.
Das Wasser verdampfte zischend, während das Feuer sich ausbreitete, als hätte es ein eigenes Verlangen. Die Hitze stieg schnell an, verdrängte die Kälte der Nacht, ließ die Luft flirren.
Das Gewitter tobte weiter, doch der Regen wurde schwächer. Die Wolken bewegten sich, teilten sich langsam, als würden zwei gewaltige Fronten aufeinandertreffen – genau über dem Dach.
Der Mann in Schwarz trat vor.
Langsam.
Unaufhaltsam.
Die Flammen warfen tanzende Schatten über seine Gestalt, doch sie schienen ihn nicht zu berühren. Er hob die Hand.
Und im nächsten Augenblick wurde der Arkanist erfasst.
Eine unsichtbare Kraft packte ihn, schleuderte ihn gegen die Wand des Hauses und hielt ihn dort fest. Seine Füße verloren den Halt, seine Finger kratzten über den nassen Stein, fanden keinen Griff.
Er versuchte, sich zu bewegen.
Vergeblich.
Sein Körper gehorchte ihm nicht mehr.
Die dunkle Gestalt trat näher, bis sie direkt vor ihm stand. Das Licht unter der Kapuze war nun deutlicher, ein schwaches, kaltes Glimmen, das nichts Wärme kannte.
Langsam zog der Mann einen Dolch aus seinem Mantel. Die Klinge fing das Licht der Flammen ein und spiegelte es stumpf wider.
Für einen Moment geschah nichts.
Nur der Regen, das Feuer und der ferne Donner.
Dann stieß er zu.
Die Klinge drang tief in die Brust des Arkanisten. Ein erstickter Laut entwich ihm, seine Augen rissen auf, suchten Halt – fanden keinen.
Für einen Augenblick klarte sein Blick auf.
Er sah in die Kapuze.
Und erkannte etwas.
Nur Andeutungen. Linien. Das Gesicht eines alten Mannes, verborgen im Schatten, kaum greifbar – und doch genug, um etwas in ihm zerbrechen zu lassen.
„Du… bist keiner von uns…“, keuchte er. „Wer… bist du…?“
Blut lief über seine Lippen, vermischte sich mit dem Regen, tropfte auf die Ziegel.
Dann erlosch das Licht in seinen Augen.
Sein Körper sackte nach vorne, schwer, leblos. Die unsichtbare Kraft ließ nach, und er fiel zu Boden, halb im Wasser liegend, das sich zwischen den Ziegeln gesammelt hatte.
Der Mann im schwarzen Gewand blieb einen Moment stehen.
Dann beugte er sich hinunter.
Langsam zog er den Ring vom Finger des Toten. Das violette Licht, das zuvor so hell gewesen war, flackerte – und erlosch schließlich, als hätte man ihm die Bedeutung genommen.
Nur ein dünner Rauchfaden stieg noch davon auf.
Er hielt den Ring einen Moment in die Höhe, betrachtete ihn, während sich das Licht der Flammen darin spiegelte.
Dann zuckten Blitze über den Himmel.
Mehrere hintereinander.
Einer schlug in den Kamin ein.
Dann ein zweiter.
Das Mauerwerk brach, das Dach gab nach, Balken splitterten unter der Hitze und der Gewalt.
Während alles um ihn herum zu zerfallen begann, erklang ein Lachen.
Leise zuerst.
Dann lauter.
Es hallte zwischen den Häusern wider, vermischte sich mit dem Donner, mit dem Knistern des Feuers, mit dem Rauschen des Windes.
Die Raben erhoben sich.
Ein schwarzer Schwarm, der sich in die Luft erhob, kreischend, chaotisch, als würde er vor etwas fliehen – oder etwas ankündigen.
Sie kreisten über den brennenden Dächern und krächzten:
„KRÄÄ… KRÄÄÄ… KRÄÄÄ…“